Projektkooperation „LIFE-Boat4Sturgeon“

Störe - die „Dinosaurier der Donau“

Seit über 200 Millionen Jahren leben Störe auf unserem Planeten. Seither haben sie sich äußerlich kaum verändert und sehen mit ihrem langgezogenen, haiähnlichen Schwanz und Reihen von Knochenplatten sehr urtümlich aus. Perfekt angepasst an ihren Lebensraum konnten sie selbst das letzte große Artensterben vor 66 Millionen Jahren, bei welchem die Dinosaurier fast gänzlich ausgestorben sind, überleben. Diese zurecht genannten „lebenden Fossilien“ oder „Donau Dinos“ sind sehr spektakuläre Lebewesen:

 

Im Gegensatz zu 96% aller Fischarten besitzen Störe kein Knochenskelett, sondern sind näher an einem Knorpelskelett dran, wie es zum Beispiel Haie oder Rochen besitzen.

Störe sind nicht nur stammesgeschichtlich sehr alt, sondern können auch ein erstaunliches Höchstalter von 100 bis 120 Jahre erreichen.

Einer der in der Donau lebenden Störarten ist der Hausen (Huso huso). Mit einer maximalen Größe von 6 - 8 m und einem Gewicht von bis zu 1 500 kg ist er der größte (zumindest teilweise) im Süßwasser lebende Fisch. Dieser Koloss verbringt nämlich den Großteil seines Lebens im Meer und führt eine Laichwanderung (bis über 2 000 km) durch um in der Donau und deren Zubringern abzulaichen. 

Die geschlüpften Hausen wandern wieder flussabwärts und erreichen innerhalb eines Jahres das Meer wo sie dann bis zur Geschlechtsreife ca. 15 Jahre bleiben.

 

Auch wenn Störe die Dinosaurier überlebt haben steht es heute schlecht um sie und sie gelten inzwischen als die am stärksten bedrohte Tierfamilie der Welt: 

Verursacht durch Lebensraumverlust, blockierte Wanderrouten wie z.B. durch Flusskraftwerke, historische Überfischung und anhaltende Wilderei, sind die Bestände fast aller Störarten in freier Wildbahn sehr stark dezimiert. Der Hauptgrund für die Überfischung von Stören ist die stetig gestiegene Nachfrage nach Kaviar. Die gesalzenen Fischeier gelten als Delikatesse und gehören zu den allerteuersten Lebensmitteln der Welt.

 

Im gesamten Donaueinzugsgebiet sind zwei von den ursprünglich sechs Arten bereits lokal ausgestorben und die restlichen Arten sind weiterhin vom Aussterben bedroht beziehungsweise stark gefährdet. Vor allem die Wilderei in der unteren Donau und im Schwarzen Meer setzen den Restbeständen massiv zu. Ohne spezielle Schutzmaßnahmen ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die genetische Vielfalt der restlichen Wildtiere aller Störarten fortschreitend abnimmt und sie somit weiter an den Rand des Aussterbens gedrängt werden. 

 

LIFE-Boat4Sturgeon – ein Rettungsboot für die Störe

 

Um die Störe vor dem Aussterben zu bewahren wurde das Projekt LIFE-Boat4Sturgeon ins Leben gerufen und hat das Ziel eine lebende Gendatenbank der verbliebenen vier Donaustöre aufzubauen und die Wildbestände durch Besatz von Jungfischen zu stärken.

Unter der Leitung der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU), vielen Projektpartnern und Finanzierung durch EU-LIFE und zahlreiche andere Unterstützer (welche auf der Projekthomepage nachgelesen werden können) kann das einzigartige Projekt realisiert werden.

 

Ein Schiff als „Rettungsboot“ 

Ab dem Jahr 2025 liegt das umgebaute Steintransport- und Ausstellungsschiff die „MS Negrelli“ in Wien auf der Donauinsel vor Anker und dient zusätzlich als Aufzuchtstation von Jungtieren und zur Mutterfisch-Hälterung, direkt im Donauwasser.

 

Aufbau des Mutterfischbestandes und auswildern der Jungfische

Ein wichtiger Punkt bei der Auswahl der Muttertiere und deren Vermehrung ist die genetische Vielfalt (Diversität). Um lebensraumangepasste (autochthone) Jungfische zu garantieren, werden alle Elterntiere auf Donaustämmigkeit sowie auch Verwandtschaftsverhältnisse mit Hilfe von Genproben überprüft. Es werden Mutterfischbestände der vier verbliebenen Arten Hausen, Waxdick, Sternhausen und Sterlet aufgebaut, welche langfristig für die Arterhaltung zur Verfügung stehen sollen. 

Die Jungtiere werden bestmöglich auf die Auswilderung vorbereitet. Beispielsweise erfolgt die Aufzucht im Donauwasser, damit die Tiere auf das Gewässer geprägt werden, um später ein Heimkehr-Laichwanderungsverhalten zu zeigen. Des Weiteren wird größtenteils natürliches Futter, wie Mückenlarven, verfüttert. 

Insgesamt sollten 1.6 Millionen Jungstöre im Donausystem an geeigneten Stellen freigelassen werden.

 

Bestandesüberwachung (Monitoring)
Um die langfristige Entwicklung einer Population zu beobachten ist ein regelmäßiges, einheitliches Monitoring nötig. Mittels DNA-Proben, markieren und folgendem wieder freilassen werden über die gesamte Projektlaufzeit Daten erhoben um den Projekterfolg zu untersuchen. 

 

Kooperation mit dem UnterWasserReich zur Bewusstseinsbildung

Zum Schutz der ausgewilderten Fische und verbliebenen Wildbestände ist Öffentlichkeitsarbeit und Wissensvermittlung essentiell. Nicht nur Fischer:innen und Fischereibehörden stehen im Fokus der Wissensweitergabe. Die Sensibilisierung der gesamten Bevölkerung für die Wichtigkeit gesunder Flussökosysteme und Tierarten wie Störe ist für den Schutz ebendieser unabdinglich. 

Deshalb wird unter auch mit dem UnterWasserReich – Naturpark Hochmoor Schrems kooperiert. Hier können Besucher:innen mehrere Störarten in den Aquarien hautnah beobachten, als auch interessante Fakten zum Thema von den Naturvermittler:innen erfahren.

 

Weitere Informationen und Kontakt

Kontakt:lb4s@boku.ac.at

Website:https://lb4sturgeon.eu/
Instagram:https://www.instagram.com/sturgeon_conservation/