Panjin, Kapstadt, Valencia und … Schrems?
Die Gemeinde Schrems hat sich entschieden und möchte 2028 zur ersten Ramsar Wetland City im gesamten deutschsprachigen Raum ausgezeichnet werden. Damit könnte sich Schrems künftig neben internationalen Städten wie Panjin, Kapstadt oder Valencia einreihen.
Infos zur Ramsar-Konvention
Die Ramsar-Konvention ist ein völkerrechtliches Übereinkommen zum Schutz von Feuchtgebieten mit internationaler Bedeutung. Ihren Ursprung hat sie im Schutz von Wat- und Wasservögeln, ihr Anwendungsbereich wurde jedoch im Laufe der Zeit deutlich erweitert.
Als schützenswerte Feuchtgebiete gelten unter anderem Feuchtwiesen, Moor- und Sumpfgebiete sowie Gewässer, natürlich oder künstlich, dauerhaft oder zeitweise wasserführend, stehend oder fließend, mit Süß-, Brack- oder Salzwasser. Auch Meeresgebiete mit einer Wassertiefe von bis zu sechs Metern bei Niedrigwasser können darunterfallen.
Die Konvention wurde bereits 1971 in der iranischen Stadt Ramsar von 21 Staaten unterzeichnet und zählt zu den ältesten internationalen Abkommen zum Erhalt natürlicher Ressourcen und deren nachhaltiger Nutzung. Heute umfasst das Ramsar-Netzwerk rund 257 Millionen Hektar in 172 Ländern weltweit.
Österreich ist seit 1983 Vertragsstaat und beteiligt sich mit zahlreichen international anerkannten Feuchtgebieten an diesem Biotop-Netzwerk.
Warum sollte gerade Schrems Wetland City werden?
Schrems ist in mehrfacher Hinsicht prädestiniert, erste Ramsar-Stadt im deutschsprachigen Raum zu werden:
- Große Teile des Gemeindegebiets liegen im Ramsar-Schutzgebiet „Waldviertler Teich-, Moor- und Flusslandschaft“.
- Mit dem UnterWasserReich befindet sich hier ein Ramsar-Besucherzentrum mit vielfältigen Bildungsangeboten und Naturschutzprojekten, insbesondere zu heimischen aquatischen Ökosystemen.
- Naturjuwele wie das größte Hochmoor Niederösterreichs prägen die Landschaft.
- Der Gebhartsteich, als größter Teich Österreichs, liegt ebenfalls im Gemeindegebiet.
- Naturnahe Flüsse wie die Braunau mäandrieren durch die Region.
- Das landwirtschaftliche Weltkulturerbe der extensive Waldviertler Teichwirtschaft wird hier seit Jahrhunderten als Traditionshandwerk gelebt.
- Bevölkerung, Betriebe und Gemeinde sind sich der Verantwortung für den Erhalt der Wasserlebensräume bewusst und pflegen eine enge Bindung zu diesen.
All diese Faktoren bilden eine starke Grundlage für die Bewerbung als Ramsar Wetland City.
Was muss Schrems für die Zertifizierung leisten?
Das Ramsar-Übereinkommen besitzt in Österreich keine direkte Rechtsgrundlage. Die Mitwirkung erfolgt daher stets auf freiwilliger Basis. Eine Ramsar Wetland City ist kein zusätzlicher Schutzstatus, sondern vielmehr ein internationales Gütesiegel und ein „Best-Practice“-Beispiel dafür, wie Mensch und Natur im Einklang miteinander leben können.
Eine Wetland City soll zeigen, dass sich Land- und Wassernutzungsinteressen mit Naturraum sowie Natur- und Artenschutz vereinbaren lassen und ein nachhaltiges, zukunftsfähiges Miteinander möglich ist.
Für die Nominierung sind unter anderem folgende Kriterien maßgeblich:
- Vorhandensein von Feuchtgebieten internationaler Bedeutung oder anderer Schutzgebiete im Zuständigkeitsbereich der Stadt.
- Beschlossene und umgesetzte Maßnahmen zur Erhaltung und Wiederherstellung von Feuchtgebieten.
- Integration von Feuchtgebieten in Raum- und Flächennutzungsplanung.
- Stärkung des öffentlichen Bewusstseins für den Wert von Feuchtgebieten.
- Einrichtung eines lokalen Komitees mit entsprechender Fachkompetenz und Einbindung relevanter Interessengruppen.
Schrems im internationalen Kontext
Ziel der Zertifizierung ist es, die Beziehung der Stadt zu ihren Ökosystemen weiter zu stärken, nachhaltige Entwicklungen zu fördern und internationale Anerkennung zu erlangen. Darüber hinaus können positive Effekte für Bildung, regionale Entwicklung und Tourismus entstehen.
Im Falle einer erfolgreichen Zertifizierung würde sich Schrems neben bisher 74 Ramsar Wetland Cities weltweit einreihen – darunter internationale Metropolen wie Panjin, Kapstadt oder Valencia.
Als erste Ramsar Wetland City im deutschsprachigen Raum würde Schrems damit eine besondere Vorreiterrolle in Mitteleuropa übernehmen.
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